Jetzt ist es also soweit: Seit dem 24. August sind ChatGPT Ads auch in 31 europäischen Ländern verfügbar – darunter auch bei uns in Deutschland.
Direkt loslegen können allerdings noch nicht alle. Vorerst wird ChatGPT Ads über das OpenAI Ads Solutions-Team sowie über Partneragenturen und Technologiepartner angeboten. Der Ads Manager für die eigenständige Nutzung soll erst später in diesem Quartal verfügbar werden.
Trotzdem lohnt sich schon jetzt ein Blick auf den neuen Werbekanal. Denn Nutzer:innen verwenden ChatGPT anders als Google oder Social Media. Statt nur wenige Suchbegriffe einzugeben oder durch einen Feed zu scrollen, erklären sie oft sehr genau, wonach sie suchen und was ihnen wichtig ist.
Perfekte Voraussetzungen also für Werbung, die genau in diesem Moment ausgespielt wird.
Wie funktionieren ChatGPT Ads?
Anzeigen in ChatGPT sollen von den eigentlichen Antworten getrennt und deutlich als Werbung gekennzeichnet werden. OpenAI betont außerdem, dass Werbung keinen Einfluss auf die Antworten von ChatGPT haben soll und Werbetreibende keinen Zugriff auf persönliche Chatverläufe erhalten.
Spannend wird es vor allem bei der Ausspielung: Anders als bei klassischen Google Ads geht es nämlich nicht nur darum, dass eine Person nach einem bestimmten Keyword sucht. ChatGPT kann deutlich mehr Kontext aus einer Unterhaltung berücksichtigen.
Ein einfaches Beispiel: Eine Person sucht nicht nur nach „Wallbox kaufen“, sondern erklärt, dass sie ein neues E-Auto bestellt hat, zuhause eine Photovoltaikanlage besitzt und nach einer passenden Ladelösung sucht.
Dadurch entsteht deutlich mehr Kontext als bei einer einzelnen Suchanfrage. Weder OpenAI noch die Werbetreibenden erhalten dabei jedoch Zugriff auf persönliche Chatverläufe oder personenbezogene Daten.
Wie sieht der Ads Manager aus?
Meine Kolleg:innen und ich aus dem Perfomace Marketing mussten uns natürlich direkt anschauen, wie der neue Ads Manager aufgebaut ist. Unser erster Eindruck: Wer bereits mit Meta Ads, Google Ads oder anderen Werbeplattformen gearbeitet hat, wird sich relativ schnell zurechtfinden. Eine komplett neue Wissenschaft ist der ChatGPT Ads Manager also nicht.
Der Aufbau ist ähnlich wie bei anderen Plattformen: Zunächst wird eine Kampagne erstellt, in der unter anderem Ziel, Budget, Laufzeit und Region festgelegt werden. Danach folgen Anzeigengruppen, in denen definiert wird, in welchem Zusammenhang eine Anzeige relevant sein könnte. Das erinnert ein bisschen an Keywords oder Zielgruppen, funktioniert aber nicht ganz genauso, weil ChatGPT zusätzlich den Gesprächskontext berücksichtigt.
Anschließend wird die eigentliche Anzeige erstellt. Hier werden unter anderem Titel, Beschreibung, Bild und Landingpage hinterlegt.
Der große Unterschied liegt also weniger im Ads Manager selbst als darin, wo und in welchem Kontext eine Anzeige ausgespielt wird.
Welche Chancen gibt es für Energieversorger?
Gerade für Energieversorger kann ChatGPT Ads zu einem besonders relevanten neuen Touchpoint werden. Denn Energieprodukte sind erklärungsbedürftig, beratungsintensiv und meist mit einer konkreten Entscheidung verbunden: Welche Wärmepumpe passt zu meinem Haus? Lohnt sich eine PV-Anlage? Welche Wallbox brauche ich? Welcher Tarif passt zu meinem Verbrauch. Genau in diesen Momenten recherchieren Nutzer heute zunehmend mit KI. Und genau dort entsteht für Energieversorger die Chance, frühzeitig sichtbar zu werden.
„Der ChatGPT Ads Manager erfindet Performance Marketing nicht neu. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Nutzer befinden sich in der KI-Suche oft schon mitten im Entscheidungsprozess. Für erklärungsbedürftige Produkte entsteht so ein hochrelevanter neuer Touchpoint.“ (Deniz Strauß, Performance Marketing Managerin)
Für uns ist deshalb klar: Energieversorgungsunternehmen sollten ChatGPT Ads nicht erst beobachten, wenn der Kanal etabliert ist. Wer sich jetzt mit den Möglichkeiten beschäftigt, kann ChatGPT Ads gezielt entlang dieser Recherche- und Entscheidungsprozesse testen.
Was haben ChatGPT Ads mit SEO und GEO zu tun?
ChatGPT Ads sind Teil einer größeren Veränderung im Online-Marketing. Es geht nämlich nicht nur um einen neuen Paid-Media-Kanal, sondern auch um eine neue Art, wie Menschen suchen, recherchieren und Entscheidungen treffen.
Früher war der Weg ziemlich klar: Frage bei Google eingeben, Suchergebnis anklicken, Website besuchen. Heute bekommen Nutzer:innen viele Antworten bereits direkt über Google AI Overviews oder stellen ihre Fragen bei ChatGPT, Perplexity und anderen KI-Tools. Ein Klick auf eine Website ist dadurch nicht mehr zwingend notwendig.
Das kann Auswirkungen auf die organische Reichweite haben. SEO bleibt deshalb weiterhin wichtig, wird aber um GEO – also Generative Engine Optimization – ergänzt. Dabei geht es darum, Inhalte so aufzubereiten, dass sie nicht nur bei Google gefunden, sondern auch von KI-Systemen verstanden und im besten Fall in deren Antworten berücksichtigt werden.
Die Frage lautet also nicht mehr nur:
Wie komme ich bei Google möglichst weit nach oben?
Sondern auch:
Wie schaffe ich es, dass meine Inhalte in KI-Antworten auftauchen?
Und mit ChatGPT Ads kommt jetzt noch die Paid-Seite dazu.
SEO, GEO und Paid Media werden deshalb künftig immer stärker zusammenspielen: organische Sichtbarkeit in der klassischen Suche, Präsenz in KI-Antworten und zusätzlich bezahlte Sichtbarkeit innerhalb dieser neuen Customer Journey.
Unsere Einschätzung
Wir finden ChatGPT Ads besonders spannend, weil hier nicht einfach nur ein weiterer Werbeplatz entsteht. Menschen kommen zu ChatGPT oft mit einer konkreten Frage, einem Problem oder einer bevorstehenden Entscheidung. Genau dieser Nutzungsmoment macht den Kanal aus Performance-Marketing-Sicht interessant.
Gleichzeitig wird sich erst zeigen müssen, wie Nutzer:innen auf Werbung innerhalb von ChatGPT reagieren und wie gut Kampagnen tatsächlich performen.
Fazit
ChatGPT Ads stehen noch ziemlich am Anfang. Trotzdem könnte daraus ein spannender neuer Werbekanal entstehen Wie gut ChatGPT Ads tatsächlich funktionieren und wie sich SEO, GEO und Paid Media weiterentwickeln, werden die kommenden Wochen und Monate zeigen.
Wenn Sie überlegen, welche Rolle ChatGPT Ads künftig für Ihr Marketing spielen könnten, kommen Sie gerne auf uns zu.